Warum sterben Männer früher als Frauen? - Gene, Risikoverhalten, Sucht oder ganz was anderes?
Im Jahr 2023 lag die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen in Deutschland bei 83,2 Jahren und die der Männer, rund 5 Jahre niedriger, bei 78,3 Jahren. Aber woran liegt das? Altern wir Männer schneller, oder ist es einfach nur Schicksal? Ich habe lange gedacht, dass es sich dabei um einen unabänderlichen Zustand handelt – sozusagen ein „Das ist halt so!“. Aber so ist es nicht.
Es handelt sich um eine Vielzahl von Faktoren, die tatsächlich einerseits genetisch bedingt sind, andererseits aber ganz andere Ursachen haben.
Der genetische Einfluss
Zur Erbinformation in unseren Zellen gehören von Geburt an die sogenannten X- und Y-Chromosomen. Frauen haben in der Regel zwei X-Chromosomen in ihren Zellen, Männer dagegen nur eins. Männer haben jedoch ein zusätzliches, kleineres Y-Chromosom – was im Grunde dazu führt, dass wir als Embryo männliche Geschlechtsmerkmale ausbilden.
Im Laufe der Zeit kann dieses Y-Chromosom aber bei der Zellteilung verloren gehen – es wird also bei der Neubildung von Zellen nicht weitergegeben. Fehlt dieses Y-Chromosom, steigt das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Alzheimer und Diabetes im Alter. Forscher haben herausgefunden, dass bei ungefähr 40 Prozent aller Männer über 70 Jahren dieses Y-Chromosom fehlt.
Damit hätten wir die möglichen genetischen Ursachen der geringeren Lebenserwartung von Männern beleuchtet, aber:
Die geringere Lebenserwartung von Männern liegt weniger an den Genen als am Lebensstil.
Als ich diese Erkenntnis vor ein paar Jahren gewonnen habe, war ich verblüfft. Ich hatte mir darüber nie Gedanken gemacht. Also nicht „Das ist halt so!“.
Der Einfluss des Lebensstils
Männer führen in vielen Bereichen einen anderen Lebensstil als Frauen. So ist das Risikoverhalten von Männern bereits in jungen Jahren höher als das von Frauen. Die Sozialisation und sie damit verbundenen Erwartungen an „Männlichkeit“ spielen dabei bis ins hohe Alter eine große Rolle. Ab Beginn der Pubertät verhalten sich Jungen und Männer in der Regel deutlich risikofreudiger als das weibliche Geschlecht.
Sucht
Männer trinken häufiger und mehr Alkohol und rauchen öfter als Frauen. Probleme werden eher mit Drogen oder Alkohol betäubt, anstatt sich Hilfe zu suchen. Laut WHO sterben weltweit dreimal mehr Männer an den Folgen ihres Alkoholkonsums. Frauen erkennen in der Regel viel früher, dass ihr Alkoholkonsum problematisch wird.
Ernährung
Die Kombination aus zu viel Essen und zu wenig Bewegung führt bei Männern häufiger zu Übergewicht als bei Frauen. Laut RKI waren 2020 in Deutschland 60,5 % der Männer übergewichtig, bei den Frauen waren es 46,6 %. Das liegt beispielsweise daran, dass Fleisch- und Bierkonsum oft als „männlich & stark“ angesehen wird. Frauen hingegen beschäftigen sich viel häufiger mit Ernährungsthemen, weil das eigene Gewicht (leider noch immer) einen höheren gesellschaftlichen Einfluss für sie hat. Die langfristigen Folgen des Übergewichts sind Herz-Kreislauf-Störungen, Bluthochdruck, erhöhtes Herzinfarktrisiko sowie Diabetes Typ 2.
Arbeitsbelastung & Ernährerrolle
Männer üben häufiger risikoreichere Berufe aus als Frauen. Dadurch steigt die Gefahr von Unfällen (oft gepaart mit Selbstüberschätzung) deutlich. Insbesondere in Berufen im unteren Lohnsegment sehen sich Männer oft mit Schadstoffen, Lärm und der Gefahr von Arbeitsunfällen konfrontiert. Männer sehen sich oft in der Rolle des Familienernährers, wodurch die Stressbelastung steigt und das wiederum die Gefahr von psychischen Erkrankungen durch Stress und Doppelbelastung steigert (an dieser Stelle sei gesagt, dass diese Doppelbelastung natürlich auch Frauen ausgesetzt sind). Wie oft habe ich in der Beratung schon Männer, auf die Frage nach der Belastung bei der Arbeit, hören sagen: „Ja, muss ja“ oder „Da muss ich eben durch“.
Viele Männer nehmen vor allem psychische Belastungserscheinungen nicht so ernst wie Frauen, die sich viel früher Hilfe suchen. Männer wollen da allein durch, sie wollen „stark“ sein. Die Folgen sind nicht selten Depressionen und Burnout. Doch diese werden von Männern zu spät erkannt, auch weil die Symptome bei Männern anders sein können als bei Frauen.
Im Kloster leben Männer und Frauen gleich lang
Eine Studie des Bevölkerungswissenschaftlers Marc Luy hat gezeigt, dass die Lebensbedingungen und der Alltag von Männern und Frauen in einem Kloster sehr viel weniger unterschiedlich sind als in der Gesellschaft und somit die durchschnittliche Lebenserwartung ungefähr gleich ist.
Was können Männer anders machen?
Abschließend will ich noch ein paar Anregungen geben, welche Bereiche ihres Lebens Männer aktiv unterstützen können:
- Aktiv Hilfe suchen – bei einem Psychotherapeuten, Männerberater oder in einer Gesprächsgruppe
- Probleme ansprechen statt mit sich selbst ausmachen
- Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt wahrnehmen
- Das Bewusstsein für die eigene Gesundheit steigern
- Dem eigenen Körper und den Gefühlen mehr Beachtung schenken
Unter dem Button unten kannst du gern Kontakt zu mir aufnehmen. Im Rahmen einer Beratung können wir uns gemeinsam die Bereiche deines Lebens anschauen und einen Plan entwickeln, wie es ein kleines Stück besser laufen kann.
In meiner Männerwerkstatt wird zwar nicht im wortwörtlichen Sinn geschraubt und gehämmert, aber dennoch ein sichtbares Ergebnis geschaffen.
Quellen:
- Warum sterben Männer früher als Frauen? | tagesschau.de , 25.07.2024
- Männliche Gesundheit: Darum sterben Männer früher als Frauen | Krankheiten | Gesundheit | Verstehen | ARD alpha, 25.07.2024
- ssoar-2002-luy-Warum_Frauen_langer_leben_.pdf, 25.07.2024
- Alcohol (who.int), 25.07.2024
- JoHM_2017_02_Uebergewicht_Adipositas_Erwachsene.pdf (rki.de), 25.07.2024
Halle/S., 25.07.2024